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August 23, 2026
Martin Spieß
Martin Spieß
Gründer & Geschäftsführer, leopard.ki · 9 min read Min. Lesezeit
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Wie verändert Google AI die Rolle Ihrer B2B-Website?

Google beantwortet immer mehr allgemeine Fragen selbst. Was die Klickdaten wirklich zeigen, warum Google widerspricht – und was sich dadurch an der Aufgabe einer technischen B2B-Website ändert.

Kurz gesagt: Google beantwortet immer mehr allgemeine Informationsfragen direkt in der Suche – für einen Teil dieser Fragen besucht ein Interessent keine Herstellerwebsite mehr. Was dadurch nicht verschwindet, sind die Fragen, die Google nicht beantworten kann: ob ein bestimmtes Produkt zu einer bestimmten Maschine, Anwendung oder Toleranz passt. Die Aufgabe einer technischen B2B-Website verschiebt sich damit – weg von der reinen Informationsbereitstellung, hin zu Einordnung und Entscheidungsunterstützung für den konkreten Einzelfall. Wie stark der Traffic dadurch tatsächlich sinkt, ist zwischen Google und unabhängigen Studien umstritten. Dass sich die Erwartung an den Websitebesuch verändert, ist es deutlich weniger.

Was hat sich bei Google konkret verändert?

Zwei Dinge, die inzwischen zusammenwachsen. AI Overviews (auf Deutsch „Übersicht mit KI“) sind die KI-generierte Antwort oberhalb der klassischen Trefferliste – der Nutzer sieht sie, ohne etwas dafür tun zu müssen. Der KI-Modus (AI Mode) ist die dialogorientierte Variante: längere Fragen, Rückfragen, Vergleiche, mehrere Suchschritte in einem Gespräch. Beides ist in Deutschland kein Ausblick mehr. Der KI-Modus startete am 8. Oktober 2025 gemeinsam mit über 40 weiteren Ländern auch in Deutschland und Österreich, AI Overviews waren hier bereits seit 2025 aktiv. Im März 2026 kam mit Search Live zusätzlich die gesprochene, kameragestützte Variante nach DACH.

Auf der Google I/O 2026 hat Google beide Formate ausdrücklich zusammengeführt: AI Overviews und AI Mode werden „into one, seamless AI Search experience“ überführt – von der Frage über eine Ergebnisseite mit KI-Antwort bis zur Folgefrage im KI-Modus. Zur Größenordnung: Google nennt für AI Overviews mehr als 2,5 Milliarden monatliche Nutzer, für den KI-Modus nach eigenen Angaben aus dem Quartalsbericht Juli 2026 über eine Milliarde monatlich aktive Nutzer. Das ist kein Testfeld mehr, sondern die Standardoberfläche.

Für einen Geschäftsführer ist die technische Unterscheidung zweitrangig. Entscheidend ist die Richtung: Google entwickelt sich von einer Liste von Links zu einem System, das Fragen selbst beantwortet, Zusammenhänge erklärt und Folgefragen bearbeitet.

Klicken Nutzer wegen KI-Antworten tatsächlich weniger?

Bei Suchanfragen, über denen eine KI-Antwort steht: ja, messbar. Ahrefs hat seine Untersuchung mit Daten aus Dezember 2025 wiederholt und findet für Position 1 eine um rund 58 % niedrigere Klickrate, wenn eine AI Overview erscheint. Wichtig ist, was diese Zahl nicht sagt: Sie misst die Klickrate auf Position 1 bei informationsgetriebenen Suchanfragen mit KI-Antwort – nicht den Gesamttraffic einer Website. Untersucht wurden 300.000 Keywords (150.000 mit KI-Antwort, 150.000 informationsgetriebene ohne), der Datensatz ist überwiegend englischsprachig, und Ahrefs selbst ordnet das Ergebnis als Korrelation ein: Der Rückgang kann auch andere Suchergebnis-Elemente und den allgemeinen Zero-Click-Trend widerspiegeln.

Für den deutschen Markt gibt es inzwischen eine eigene Datengrundlage. SISTRIX hat über 100 Millionen deutsche Keywords ausgewertet: Die Klickrate auf Position 1 fällt von 27 % auf 11 %, wenn eine KI-Antwort erscheint – ebenfalls knapp 60 %. Rund 20 % der deutschen Keywords zeigen inzwischen eine KI-Antwort. Hochgerechnet ergibt das für Deutschland etwa 265 Millionen verlorene organische Klicks pro Monat, im Durchschnitt 6,6 % aller organischen Klicks. Die Spannweite zwischen Branchen ist dabei erheblich – zwischen unter 1 % und über 24 %.

Der viel zitierte Zero-Click-Wert gehört sauber eingeordnet: Laut SparkToro endeten von Januar bis April 2026 rund 68 % der Google-Suchen in den USA ohne Klick. Das ist eine US-Zahl, sie beruht auf Clickstream-Daten von Similarweb, und sie ist ausdrücklich nicht allein auf KI-Antworten zurückzuführen – Knowledge Panels, Featured Snippets, Maps und direkte Antworten gab es lange vorher. SparkToro selbst weist darauf hin, dass im selben Zeitraum nur 0,34 % der Suchen überhaupt im KI-Modus stattfanden. Zero Click ist ein alter Trend, den KI-Antworten beschleunigen – nicht ihre Erfindung.

Warum sagt Google selbst etwas anderes?

Weil Google eine andere Ebene misst. In einer offiziellen Stellungnahme schreibt Liz Reid, Head of Google Search: „Overall, total organic click volume from Google Search to websites has been relatively stable year-over-year.“ Ergänzend argumentiert Google, die durchschnittliche Klickqualität sei gestiegen – gemeint sind Klicks, bei denen Nutzer nicht sofort wieder zurückspringen – und Nutzer stellten mit KI-Antworten mehr und komplexere Fragen als vorher. Im Quartalsbericht vom Juli 2026 spricht Google davon, weiterhin „billions of clicks to websites every week“ über KI-Funktionen auszuliefern.

Diese Aussagen widersprechen den Studien weniger, als es zunächst wirkt – sie messen unterschiedliche Dinge. Ahrefs und SISTRIX messen die Klickrate einer bestimmten Position bei einer bestimmten Art von Suchanfrage. SparkToro misst Nutzerverhalten über eine ganze Sitzung. Google spricht über aggregiertes Gesamtklickvolumen über alle Suchanfragen hinweg und über eine selbst definierte Qualitätsmetrik. Alle drei können gleichzeitig zutreffen: Informationsgetriebene Suchanfragen verlieren deutlich Klicks, während die Gesamtzahl der Suchanfragen wächst und das Gesamtvolumen dadurch stabiler aussieht als das Einzelergebnis. Es ist redlich, hier keine Seite zum Sieger zu erklären – zumal Google seine Qualitätsdaten bislang nicht offengelegt hat.

Für ein einzelnes Maschinenbauunternehmen folgt daraus vor allem eines: Aus keiner dieser Zahlen lässt sich ableiten, wie sich der eigene Traffic entwickelt. Das zeigt nur die eigene Search Console – aufgeschlüsselt danach, welche Art von Suchanfragen betroffen ist.

Welche Fragen beantwortet Google zunehmend selbst – und welche nicht?

Hier wird es für technische Hersteller konkret. Fragen wie „Was ist ein Neigungsmessgerät?“, „Was macht ein Rohrzuggerät?“ oder „Was bedeutet Plattenmontage im Flexodruck?“ sind allgemeine Informationsfragen. Sie lassen sich aus öffentlich verfügbarem Wissen zusammenfassen – genau das tut eine KI-Antwort gut. Wer eine Produktseite hat, deren Hauptleistung darin besteht, einen Fachbegriff zu erklären, konkurriert bei dieser Frage künftig mit einer Antwort, die schon oben auf der Seite steht.

Anders sieht es bei diesen Fragen aus:

  • Welches Neigungsmessgerät eignet sich für meine konkrete Maschine und die geforderte Genauigkeit?
  • Kann ich mit diesem Gerät Stahlbetonrohre mit 2.500 mm Durchmesser montieren?
  • Welche Plattenmontagelösung lohnt sich bei 15 Jobwechseln pro Tag?
  • Ist diese Variante mit meiner vorhandenen Steuerung kompatibel?
  • Was ist der Unterschied zwischen Ihrer Baureihe A und B für meinen Einsatzfall?

Diese Fragen setzen Wissen voraus, das nur der Hersteller hat: Konstruktionsgrenzen, Erfahrung aus Anwendungen, Kompatibilitäten, typische Fehlerfälle. Eine KI kann sie nur beantworten, wenn dieses Wissen irgendwo öffentlich und eindeutig zugeordnet vorliegt – und selbst dann bleibt der Einzelfall des Anfragenden offen.

Daraus lässt sich eine strategische Schlussfolgerung ziehen, die ausdrücklich eine Schlussfolgerung ist und keine gemessene Kausalität: Je besser allgemeine Informationsfragen bereits vor dem Websitebesuch beantwortet werden, desto stärker verlagert sich der verbleibende Nutzen einer Herstellerwebsite auf Anwendungs-, Auswahl- und Entscheidungsfragen.

Heißt das, wer noch klickt, ist automatisch kaufbereit?

Nein, und diese Behauptung sollte man vorsichtig behandeln. Google spricht von „quality clicks“ – das ist eine Google-Definition, keine unabhängig geprüfte Größe. Es gibt zwar Untersuchungen, die für KI-Empfehlungen höhere Konversionsraten zeigen: Eine Auswertung von Orbit Media über 97 B2B-Websites und rund 29 Millionen Sitzungen (Juli 2025 bis Juni 2026) fand für Besucher aus KI-Quellen eine Konversionsrate von 1,91 % gegenüber 0,71 % bei organischer Suche. Nur: Diese Studie misst ausdrücklich nicht Google AI. Traffic aus AI Overviews und dem KI-Modus wird in Analytics-Systemen als normale organische Suche gezählt – gemessen wurden also im Wesentlichen Verweise aus Chatbots wie ChatGPT, und diese machten nur 0,5 % des gesamten Traffics aus.

Die vorsichtige, belastbare Formulierung lautet deshalb: Wenn einfache Informationsfragen bereits in der Suche beantwortet werden, kann der Schwerpunkt der verbleibenden Websitebesuche stärker bei vertiefender Information, konkreter Anwendung und Entscheidung liegen. Das ist etwas anderes als die Behauptung, jeder verbleibende Besucher sei ein qualifizierter Interessent.

Was muss eine technische B2B-Website deshalb besser können?

Vier Punkte, die sich aus dem Bisherigen ableiten lassen.

Weniger austauschbare Selbstdarstellung. „Innovative Lösungen seit 1972“ beantwortet keine Frage – weder die eines Menschen noch die eines Suchsystems. Konkrete Aussagen zu Produkten, Anwendungen, gelösten Problemen, technischen Grenzen und Zielgruppen dagegen schon.

Mehr Antworten auf reale Entscheidungsfragen. Welches Produkt passt wann? A oder B? Welche Baugröße, welche Genauigkeit, welche Kompatibilität, welche Einschränkung? Das sind die Fragen, die ohnehin im Vertriebsgespräch gestellt werden – sie gehören auf die Website, bevor jemand anruft.

Entscheidungscontent statt Katalogcontent. Vergleiche, Auswahlhilfen, dokumentierte Anwendungsfälle, Konfigurationslogik, echte Kundenfragen. Das unterscheidet eine Website, die zeigt, von einer Website, die einordnet.

Originales Fachwissen. Google betont in seiner aktuellen Guidance für Website-Betreiber wertvolle, nicht austauschbare Inhalte mit eigener Perspektive. Genau hier haben Hersteller einen strukturellen Vorteil gegenüber generischen Ratgeberseiten: Sie besitzen Wissen aus Konstruktion, Anwendung und Service, das sonst niemand hat. Es steht nur oft nicht öffentlich.

Brauche ich trotzdem noch klassisches SEO?

Ja. Und es braucht dafür keine neue Geheimtechnik. In seiner Dokumentation „AI features and your website“ stellt Google ausdrücklich fest, dass es für AI Overviews und den KI-Modus keine zusätzlichen technischen Anforderungen gibt: „There are no additional technical requirements“ – dieselben Grundlagen wie für die normale Google-Suche gelten weiter. Wer also gerade überlegt, wegen KI-Antworten in spezielle Dateiformate oder Markup-Tricks zu investieren, sollte das nach dieser Aussage zumindest hinterfragen.

Eine zweite, davon getrennte Frage entsteht allerdings: Wird das eigene Unternehmen in KI-generierten Antworten überhaupt berücksichtigt und zitiert? Das ist ein eigenes Thema mit eigenen Regeln und wird in einem separaten Beitrag behandelt.

Checkliste: Beantwortet unsere Website die richtigen Fragen?

Eine Prüfung, die sich in einer halben Stunde selbst durchführen lässt. Beantwortet unsere Website erkennbar:

  • Was wir konkret anbieten – nicht nur in Kategorien, sondern in Produkten und Anwendungen?
  • Für welche Anwendungen und Branchen unsere Produkte geeignet sind?
  • Welches Produkt sich für welchen Fall eignet?
  • Worin sich ähnliche Produkte unterscheiden?
  • Welche technischen Grenzen und Voraussetzungen gelten?
  • Welche typischen Kompatibilitätsfragen auftreten?
  • Welche konkreten Kundenprobleme wir damit lösen?
  • Welche Fragen in einer Kaufentscheidung typischerweise offen bleiben?
  • Was der nächste sinnvolle Schritt ist?

Und dann die eigentliche Frage: Wenn ein Interessent seine konkrete Situation beschreiben würde – könnte unsere Website ihm helfen, eine Entscheidung zu treffen? Bei den meisten technischen B2B-Websites lautet die ehrliche Antwort: Sie könnte ihm helfen, Informationen zu finden. Bei der Entscheidung ist er allein.

Was daraus für die Website folgt

Genau an dieser Stelle setzt leo.page an. Statt einen Besucher mit Navigation, Produktlisten und Datenblättern allein zu lassen, kann er seinen konkreten Fall in eigenen Worten beschreiben: leo.page versteht die Frage, stellt bei Bedarf Rückfragen, greift auf das hinterlegte Produkt- und Anwendungswissen des Unternehmens zurück, unterscheidet passende von unpassenden Lösungen und führt zum sinnvollen nächsten Schritt. Aus den Dialogen wird über leo.live anschließend sichtbar, welche Fragen tatsächlich gestellt werden, welche Anwendungen relevant sind und wo Informationslücken bestehen – Material, aus dem wiederum genau die Inhalte entstehen können, die eine Website in dieser neuen Rolle braucht.

Was Google verändert, ist also weniger die Frage, ob Menschen Websites finden. Es verändert, wofür sie eine Unternehmenswebsite überhaupt noch brauchen. Je mehr allgemeine Information bereits vor dem Klick verfügbar ist, desto wichtiger wird, was passiert, wenn jemand mit einem konkreten Fall auf der Website ankommt. Wie sich dieser Wandel im eigenen B2B-Alltag beobachten lässt, wird auf der SEO-Engine-Seite ausführlicher eingeordnet.

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