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August 20, 2026
Martin Spieß
Martin Spieß
Gründer & Geschäftsführer, leopard.ki · 6 min read Min. Lesezeit
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Der stille Wandel: Was in den letzten zwei Jahren wirklich mit der Google-Suche passiert ist

Sie haben es geahnt. Aber haben Sie auch das Ausmaß erkannt?

Fast jeder, der im Marketing oder Vertrieb arbeitet oder eine Website betreibt, hat in den letzten zwei Jahren irgendwann einmal den Satz gehört oder gesagt: „KI verändert die Suche.“ Inzwischen ist das fast eine Binsenweisheit – die Leute nicken, sie haben darüber gelesen, manche öffnen mittlerweile ChatGPT statt Google. Was bei diesem Nicken jedoch untergeht, ist das Tempo und die Tragweite dieses Wandels. Die meisten stellen sich einen schleichenden Trend vor. Die Zahlen zeichnen ein anderes Bild: einen Umbruch, der innerhalb weniger Jahre einen der stabilsten Mechanismen des Internets weitgehend ausgehebelt hat – den Klick von einer Suchanfrage auf eine Website.

Was „Ausmaß“ hier eigentlich bedeutet

Ein paar Zahlen, von denen jede für sich bemerkenswert ist und die in der Gesamtschau kaum ignoriert werden können:

Laut SparkToro endeten etwa 68 % aller Google-Suchanfragen in den USA ohne einen einzigen Klick Anfang 2026 – die Antwort erscheint direkt in der KI-Übersicht, und es findet überhaupt kein Website-Besuch mehr statt (Search Engine Land). Zum Vergleich: Similarweb maß allein zwischen Mai 2024 und Mai 2025 einen Anstieg von 56 % auf 69 % – das ist kein Trend, der sich über Jahrzehnte hinweg leise entwickelt hat, sondern einer, der sich innerhalb von etwa zwei Jahren massiv beschleunigt hat.

Auf Ebene der einzelnen Ergebnisseiten ist es sogar noch ausgeprägter. Ahrefs analysierte im Februar 2026 rund 300.000 Keywords und stellte fest, dass die Klickrate für Position 1 von 7,3 % auf 1,6 % fiel, sobald eine KI-Übersicht erschien – ein Rückgang um 58 %, bereinigt um allgemeine Trends (eMarketer). Das Pew Research Center kam in einer unabhängigen Studie mit rund 69.000 Suchanfragen (Juli 2025) zu einem ähnlichen Ergebnis: Nur 8 % der Nutzer klickten noch auf ein klassisches Ergebnis, wenn eine KI-Übersicht angezeigt wurde, gegenüber 15 % ohne eine solche – und nur 1 % klickte auf eine der Quellen, die innerhalb der KI-Antwort selbst zitiert wurden.

Diese letzte Zahl verdeutlicht das Ausmaß am besten: Selbst wenn eine Website als Quelle genannt wird, führt dies in der überwältigenden Mehrheit der Fälle nicht mehr zu einem Besuch. Die Website liefert die Information. Die KI präsentiert sie.

Warum die Wahrnehmung hinterherhinkt

Es gibt einen einfachen Grund, warum dieser Wandel bei den meisten Unternehmen noch nicht in seinem tatsächlichen Ausmaß angekommen ist: Er tritt nicht als plötzliches Ereignis auf, sondern als schleichender Rückgang in einer Analysestatistik – leicht zu verwechseln mit Saisonalität, einem Algorithmus-Update oder einfach einem „etwas schwächeren Monat“. Laut einer von Writer.com zitierten McKinsey-Analyse verfolgen derzeit nur 16 % der Marken ihre Sichtbarkeit in KI-Antworten systematisch (Writer.com). Die anderen 84 % sehen zwar den Rückgang des Traffics, aber nicht die Ursache dahinter.

Es gibt einen zweiten, wirtschaftlich noch bedeutenderen Faktor, der in der öffentlichen Debatte kaum zur Sprache kommt: Gartner prognostiziert, dass KI-Agenten bis 2028 unabhängig Einfluss auf Entscheidungen nehmen oder diese ausführen werden, und zwar bei 15 Billionen Dollar an B2B-Kaufentscheidungen (Digital Commerce 360). Das ist keine Fußnote zur Geschichte der Suche, sondern die Erkenntnis, dass sich nicht nur die Informationssuche auf KI-Systeme verlagert, sondern auch die frühen Phasen des B2B-Einkaufs selbst – und zwar zunehmend zwischen Systemen, noch bevor ein Mensch überhaupt eine Website aufruft.

Die eine Ausnahme – und was sie offenbart

Es gibt einen Bereich, in dem sich das Muster umkehrt: Suchanfragen, die bereits den Firmennamen enthalten. Hier zeigen KI-Übersichten bis zu 18 % höhere Klickraten , wenn die Marke in der Antwort genannt wird. Sobald Sie als Quelle zitiert oder als Marke erkannt werden, verlieren Sie in diesem Moment nicht – Sie gewinnen. Diese Ausnahme ist aufschlussreich, denn sie zeigt, dass der Wandel kein reiner Verlustmechanismus ist, sondern eine Umverteilung: Sichtbarkeit verlagert sich von „irgendwo auf der ersten Seite ranken“ hin zu „die Quelle sein, die die Antwort selbst zitiert“. Einmal zitiert zu werden, erhöht die Wahrscheinlichkeit, erneut zitiert zu werden – laut Writer.com stammen 85 % der Markenerwähnungen in KI-Suchergebnissen mittlerweile von Drittanbieter-Websites, nicht von der eigenen Unternehmenswebsite. Sichtbarkeit findet zunehmend an Orten statt, auf die ein Unternehmen kaum direkten Einfluss hat.

Ehrliche Grenzen

Ein Vorbehalt ist der Genauigkeit halber angebracht: Die solidesten Zahlen zu diesem Trend stammen größtenteils aus den USA und von großen Publishern mit hohem Volumen an generischem, informativem Suchverkehr. Für deutsche B2B-Nischenmärkte – etwa im Maschinenbau oder in der Messtechnik – ist der Effekt zwar plausibel, aber noch nicht unabhängig gemessen worden. Google bestreitet zudem aktiv, dass KI-Übersichten die Ursache für sinkende Klickzahlen sind. Unabhängig von diesem Streit ist jedoch eines unstrittig messbar: Die Informationssuche verlagert sich in messbarem Tempo auf KI-Systeme. Wie schnell und wie hart das eine bestimmte Nische trifft, ist eine offene Frage – dass die Richtung dieselbe ist, ist jedoch kaum zu bestreiten.

Was daraus folgt – unabhängig vom spezifischen Ansatz

Die naheliegende Reaktion ist, dies als SEO-Problem zu behandeln – bessere Keywords, mehr Content, mehr Backlinks. Die Zahlen legen jedoch etwas anderes nahe: Die Priorität liegt nicht mehr primär darauf, gefunden zu werden, sondern darauf, ob Ihre Informationen in einer Form strukturiert sind, die KI-Systeme überhaupt lesen und zitieren können – und was in den seltenen Fällen passiert, in denen jemand tatsächlich durchklickt. Für alle, die konkret sehen möchten, was das für ihre eigene Website und ihren Vertriebsprozess bedeutet, geht die SEO-Engine-Seite näher darauf ein, wie sich dieser Wandel im B2B-Alltag auswirkt.

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